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15.08.2016 | Wien

Elvis im 80s Style

© Andreas Rhomberg
Foto: Andreas Rhomberg
Danny Ranks hat im November sein Album „Dancehall Ranking“ rausgehauen. Die Scheibe hat der Wiener größtenteils mit dem legendären Casio-Keyboard MT-41 aufgenommen, und sie kracht und wummert ganz im Stil des Sleng-Teng-Riddim durch die Boxen. Der leidenschaftliche Elvis-Fan Danny Ranks spricht mit uns über die Produktion, über Jamsessions, über seine Stimme – und was der „King“ eigentlich zu Dancehall sagen würde.


Danny, schon der Sleng-Teng-Einstieg auf deinem Album zeigt, wo die Reise hingeht. Wie wichtig ist der Sleng-Teng-Riddim für dich persönlich gewesen?


danny ranks Sehr. Es ist ein fetter Riddim, der einfach raussticht. Es gibt ganz wenige Riddims, die ich von klein auf kenne. Der Sleng Teng ist einer davon – obwohl ich nicht mit Digital Reggae aufgewachsen bin. Ich habe schon oft über den Riddim gesungen und unzählige Dubplates darauf aufgenommen. Es ist einfach ein Klassiker, an dem man nicht vorbeikommt. Er hat schon eine große Rolle für mich gespielt.


Du hast auch das MT-41-Keyboard von Casio benutzt, um dein Album zu produzieren. Wie bist du da rangekommen? Hergestellt wird es ja nicht mehr.


danny ranks Ein Freund von mir hat sich dieses Keyboard gekauft. Das habe ich nach einer Party in der Küche des Kumpels erfahren, der plötzlich das Keyboard auspackte. Dann haben wir direkt gejammt. Ich hatte zu der Zeit die Idee, gemeinsam mit El Condordsito eine EP zu machen – voll mit 90ies-Riddims. Damit bin ich aber irgendwie nicht warm geworden. Als ich das Keyboard gesehen habe, hab ich sofort gedacht, „damit musst du ein Album machen“. Das coole an dem Teil ist, dass du über die Boxen direkt loslegen kannst. Wir hatten sofort eine fette Jamsession laufen.






Ist bei der Jam schon etwas in deinem Kopf entstanden, was du für „Dancehall Ranking“ benutzt hast?


danny ranks Nein, das war six o’clock in the morning, beer, three spliffs, easy going (lacht). Die Ideen haben wir dann später gemeinsam gesammelt, aber auf ähnliche Art und Weise. Am Ende hatte ich neun Mitschnitte, die ich mit dem Handy aufgenommen habe. Die habe ich dann mitgenommen und ausgearbeitet.


Da steckt dann aber weiter der Jam-Gedanke dahinter, der sich durchs Album zieht und den man auch raushört. War das deine Intention?


danny ranks Wir haben das schon alles mit Bedacht aufgenommen, haben es aber durchaus schnell gemacht, wie sie es früher auch produziert haben. Okay, wir machen die Riddims, zack, wir machen die Voicings, zack, und wenn es keine Lyrics mehr gab, musste ich mich ransetzen. Das war aber auch cool. Wir haben uns eine Woche in Proberäume von Kumpels eingemietet, fensterlos. Der Jam-Gedanke war die Grundmotivation. Die Lyrics habe ich schon feiner herausgezeichnet. Aber es klingt schon bewusst rough and raw. Das Album ist analog gemischt. Wenn kurze Hacker drin waren, waren die eben drin. Mir geht es im Reggae heutzutage oft gegen den Strich, wenn Aufnahmen superclean klingen. Dadurch verliert alles an Charakter.


Hast du versucht, den 80ies Style in die Gegenwart zu holen?


danny ranks Ganz ehrlich: Wir haben in der Richtung gar nicht so viel gemacht. Zu 80 Prozent ist das Casio im Einsatz. Dann haben wir noch Overdubs mit anderen Keyboards gemacht, wie dem Korg M1, wir haben einen Moog-Synth oder einen Roland X7 verwendet. Aber wir haben gar nicht darauf geschaut, den Sound quasi ins Jetzt zu holen. Auch Ideen für Remixe mit ein wenig Dubstep-Style haben wir verworfen. Die drei Dubmixe am Ende des Albums sind alle händisch gedubbed.


Was fasziniert dich so am Stil der 80er Jahre?


danny ranks Der unglaubliche Trash und die unglaubliche Scheiß-mir-nix-Attitüde. Es ist einfach so – jeder konnte mit der digitalen Revolution zum Sänger und Producer werden. Das hört man ehrlich gesagt auch auf vielen Platten. Oft ist gerade das aber das geile. So Platten wie „Yellowman sings the Boogie Woogie“ – ein unglaublich schlechtes Album (lacht). Aber ich find’s cool. Allein von den Riddims ist der Sound der 80er mörderfett. Es wurde viel experimentiert.


Was ist dein Lieblingstune auf deinem Album?


danny ranks Mein Lieblingssong ist „Inna di Ghetto“, weil ich ein Riesen-Elvis-Fan bin. Der Song ist eine Anlehnung an seinen Song „In the Ghetto“. Natürlich ist das eine Hommage an den „King“. „Ain’t going home“ mag ich auch sehr gern.


Dann jetzt mal eine abwegige Frage: Was meinst du, wie Elvis heutzutage auf Dancehall reagieren würde?


danny ranks (lacht) Das ist wirklich eine gute Frage. Ich glaube, er würde auf Reggae abfahren. Dancehall würde er als gesetzter Mann, der er war, wohl eher nicht ausprobieren. Ich würde aber auf jeden Fall eine Combination mit ihm machen (lacht).



© Rania Moslam
Foto: Rania Moslam

"In der Pubertät hat mich die Musik schön abgeholt. Ich bin darauf hängengeblieben und mich viel über Reggae informiert.




Nimmst du dir für deine reibende Stimme Vorbilder? Alborosie kommt einem in den Sinn…


danny ranks (lacht) Alborosie höre ich zum ersten Mal. Sonst wird immer Capleton gesagt. Ich habe aber wirklich keine Vorbilder, an denen ich mich stimmlich orientiere. Wer mich in der Musik beeinflusst hat, ist Bunny Wailer. Ich bin eigentlich ein Roots-Mann. Der Style von Capleton ist der, mit dem ich mich am meisten identifizieren kann.


Es gibt ja häufig genug Proteste gegen teils homophobe Texte von Capleton. Wie empfindest du die Diskussion um das Thema?


danny ranks Ich persönlich bin nicht homophob. Die Diskussion finde ich schon sehr festgefahren. Natürlich sind solche Texte nicht okay und ich denke, dass ein Umdenken innerhalb der jamaikanischen Community stattgefunden hat. Wir haben schon häufig mit Aktivisten diskutiert. Manchmal wurde uns dann gesagt, wir müssten Stellung beziehen – entweder wir wären gegen Reggae oder gegen Schwule. Es gibt für mich aber kein Entweder-oder.
Wie kommt denn eigentlich ein Wiener in die Dancehall?


danny ranks Ich bin durch das Tape einer Schulfreundin mit Reggae in Berührung gekommen, das sie mir mit 14, 15 Jahren gegeben hat – Bob Marley. Das hat mich sehr geflasht. In der Pubertät hat mich die Musik schön abgeholt. Ich bin darauf hängengeblieben und mich viel über Reggae informiert. Das hat sich bei mir quasi chronologisch nachempfunden entwickelt. Von Bob Marley bin ich auf Ska gekommen, dann kamen die frühen Deejays wie U-Roy, Big Youth und so weiter… 2000 war ich dann zum ersten Mal auf Jamaika, hatte aber noch nicht vor, selbst Musik zu machen. Von dieser Reise habe ich wahnsinnig viele Platten mitgebracht und angefangen, als Selector aufzulegen. Am Mic habe ich dann ein bisschen angeheizt, das kannte ich ja so von Jamaika. Damals in Wien war es noch so, dass Leute zu mir gesagt haben, „wieso schreist du ins Mikro? Hör auf!“ (schmunzelt). Irgendwann habe ich dann angefangen, eigene Lyrics zu schreiben. Sechs Jahre war ich mit Raggamaffia am Start, ich habe Patois gesungen, mein Kumpel Mr. Highhead tirolerisch. Wir waren damit recht gut unterwegs. Seit 2006 bin ich Solokünstler.


Was machst du eigentlich beruflich?


danny ranks Ich war die letzten acht Jahre Radiomoderator. Seit September arbeite ich für einen kleinen regionalen Privatsender und mache ein wöchentliches TV-Magazin.


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text: fsch
fotos: andreas rhomberg | rania moslam


© reggae-interviews.de 2016


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