on Facebook

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)

25.03.2016 | Köln

Breite Wurzeln

Foto: William Richards
Foto: William Richards
Ein richtig druckvolles Album haben sie hingelegt, die Kinder der royalen Familie des Reggae. „Strictly Roots“ von Morgan Heritage ist ausbalanciert wie ein junger Baum im Wind – mal geht es kraftvoll nach vorne, mal wiegt es sich in mitpfeifbarer Popmusik. Live funktioniert die Band wie eh und je, und gerade das neue Material kommt bei den Hörern gut an. Das pumpende „Light it up“ zum Beispiel macht beim Publikum ebensoviel Alarm wie Klassiker á la „Tell me how come“ oder „Don’t haffi dread“. Die Familie hat im Kölner Underground Station gemacht – und wir haben bei dieser Gelegenheit mit Memmalatel „Mr. Mojo“ Morgan über das 17. Release und mehr gesprochen, für unsere Rubrik "Draufsicht".


Mojo, wie schafft ihr es, in ein neues Album so viel Energie reinzustecken, nach der „Strictly Roots“ klingt?


mojo morgan Erst einmal vielen Dank. Die Energie kommt daher, dass wir den Musikmarkt aufmerksam beobachten. Wir bringen neue Sounds in unseren Stil von Reggae ein, den wir „Rockaz“ nennen. Ich kann nicht für andere Artists aus Jamaika sprechen, aber für uns geht es darum, mit unserem Sound am Strom zu bleiben. Wir wollen, dass auch jüngere Menschen in unserem Publikum eine Verbindung finden. Im Laufe der Zeit wird das Publikum älter, und eine neue Generation von music lovers wird geboren. Das passiert alle fünf bis zehn Jahre. Dranzubleiben ist also ungefähr das Geheimnis unserer Energie (lacht).





Das hört man auch auf eurem Album, unter anderem beim dubsteppigen „Light it up“ oder beim poppigen „So Amazing“. Ist das die Aussage, dass „Strictly Roots“ nicht immer strikter Roots Reggae sein muss?


mojo morgan „Strictly Roots“ bedeutet nicht „Strictly Roots Reggae“. Wir haben das Album so genannt, weil wir damit die Wurzeln unserer Existenz meinen. Auf dem Cover haben wir Afrika abgebildet, weil es für uns die Wiege der Zivilisation darstellt. Unsere musikalischen Wurzeln liegen in Jamaika. Dort gibt es viele Musikgenres, die die Musikszene auf der ganzen Welt beeinflusst haben: Von Dub, das Drum&Bass oder Dubstep hervorgebracht hat, über Ska, das den Punkrock mitbestimmt hat, bis Dancehall, das heute die Popmusik extrem beeinflusst. Für uns heißt „Strictly Roots“ also, alle Stile jamaikanischer Musik unter einen Hut zu bringen.


Ich kann mir vorstellen, dass ihr genau über diesen bewussten Weg in die Aufnahmen zu einem neuen Album geht; dass ihr sagt, „wir haben diese und jene neuen Einflüsse in die Musik, also bauen wir sie ein“.


mojo morgan Definitiv. Alles im Leben hat eine Wurzel, der ein Stamm und Äste wachsen, und irgendwann bringt sie eine Frucht hervor. Diesen Prozess des Lebens hörst du in unserem Album. Es geht genauso um dieses Bewusstsein, wie auch um unseren Sound. Es geht darum, zu wissen, wer du bist. Wir sind in Amerika geborene Kinder Jamaikas, weil unsere Eltern Jamaikaner sind. Deshalb wurden wir von Reggae genauso beeinflusst wie von amerikanischer Musik, egal ob es Rock, Pop, R’n’B oder Hiphop war. Darauf hat sich unser Sound aufgebaut. Unsere Wurzel ist also ein bisschen breiter als die von jemandem, der auf Jamaika geboren und aufgewachsen ist, wie zum Beispiel Anthony B., Stephen Marley oder Capleton.



Foto: William Richards
Foto: William Richards

"Wir könnten die jungen Artists runtermachen – oder wir könnten sie begrüßen, sie aufnehmen und ihnen dafür danken, dass sie unserem Pfad folgen."



Um das Wortspiel aufzugreifen: Eine der letzten Früchte, die Reggae hervorgebracht hat, ist Chronixx, der auch Featuregast auf eurem Album ist. Hat er als junger Künstler euer neues Album auch beeinflusst?


mojo morgan Dass er auf unserem Album ist, zeigt, dass wir sein Erscheinen auf der Weltbühne des Reggae sehr begrüßen. Als jamaikanischer Youth hat er es zu einem der zukünftigen Botschafter des Reggae gebracht. Wir finden das großartig! Wir sind schon sehr lange dabei und könnten zwei Dinge tun: Wir könnten die jungen Artists runtermachen – oder wir könnten sie begrüßen, sie aufnehmen und ihnen dafür danken, dass sie unserem Pfad folgen. Wir selbst sind doch auch Künstlern gefolgt, die vor uns Musik gemacht haben. Es ist natürlich, dass nach uns neue Musiker kommen. Leute wie Chronixx, Jo Mersa Marley, Sohn von Stephen Marley, Jemere Morgan, unser Neffe, J.Boog, Star aus Polynesien. Außerdem sind auf dem Album weitere tolle Musiker versammelt - Gil Sharone, ein Rockdrummer, der eigentlich für Marilyn Manson spielt. Soja, eine der größten Reggaebands der Welt. Die amerikanische Band Rebelution. Und natürlich Shaggy – ohne Shaggy sind wir einfach nicht komplett (schmunzelt). Er war auf unseren letzten drei Alben.


Was denkst du darüber, dass die deutschen Reggaefans euch immer herzlich willkommen heißen?


mojo morgan Die deutschen Reggaefans haben sich die Musik angeeignet. Sie gehören zu den besten Reggaefans der Welt. Das erkennst du daran, dass eine Band wie Seeed so wahnsinnig großen Erfolg hat – und selbst deren Leadsänger Peter Fox, wenn er alleine ein Album herausbringt. Du siehst es an Artists wie Gentleman, Nneka, Patrice, der Deutschland und Frankreich repräsentiert. Und das sind ja nur die, die am bekanntesten sind (lacht). Es gibt so viele deutsche Artists, die erwähnenswerte Musik machen. Das zeigt die Kraft von Reggae und die Art, wie die Menschen hier sie aufgenommen haben.



Foto: William Richards
Foto: William Richards



"Die Menschen wollen gerade im Winter zusammenkommen um schöne Dinge zu erleben."





Du hast gerade schon einige deutsche Künstler aufgezählt. Welche Links hast du persönlich?


mojo morgan Ich habe mit Peter Fox auf einem Riddim für sein Soloalbum zusammengearbeitet. Wir haben als Familie mit Gentleman an zwei Projekten gearbeitet. Wir haben mehrere Male mit Patrice auf der Bühne gestanden. Es geht nicht per se um Deutschland, sondern um das weltweite Reggaebusiness. Reggae ist keine Musik mehr, die nur auf Jamaika produziert wird, sondern überall auf der Welt. Es gibt afrikanische, europäische, asiatische, australische und amerikanische Reggaestars.


Ist es überraschend für euch, wie die Menschen im europäischen Winter Reggae feiern, oder liegt es gerade daran, dass Reggae in der Kälte besonders gut ankommt?


mojo morgan Musik geht über Grenzen hinweg. Und über Jahreszeiten. Menschen gefällt im Winter nicht nur Reggae, sondern jede Art von Musik. Die Leute wollen gerade im Winter zusammenkommen um schöne Dinge zu erleben. Reggae speziell schafft die Stimmung, dich für drei Stunden so zu fühlen, als wärst du auf Jamaika und als würdest du die Sonne aufsaugen.


Du hast das Business erwähnt. Müssen deutsche Artists sich noch mehr von jamaikanischen Musikern abschauen?


mojo morgan Nein. Ich denke, dass es aktuell viel mehr kreative Reggaemusiker aus Europa und den USA gibt als aus Jamaika. Dort ist Dancehall die populärste Musik. Deshalb würde ich den deutschen Musikern gar nicht raten, irgendetwas zu verändern – sondern einfach damit weiterzumachen, was sie tun. Und weiterhin die Musik zu lieben, die wir Reggae nennen.






____________________________________________________________


text: fsch
fotos: William Richards


© reggae-interviews.de 2016



Alle News anzeigen

 Morgan Heritage

Aus

Köln

LinkUp

Morgan Heritage im Netz |
Morgan Heritage bei Facebook

Update

unterstützt

recommends (Anzeige)

recommends (Anzeige)